Zum Hauptinhalt springen

Hydraulischer Abgleich: Pflicht, Kosten & Vorteile für Mieter (2026)

Hydraulischer Abgleich 2026: Wann ist er Pflicht? Was kostet er und wer zahlt? Alle GEG-Regeln für Mieter und wie du von niedrigeren Heizkosten profitierst.

HT
HeizkostenChecker Team
9 Min. Lesezeit

Der hydraulische Abgleich ist in aller Munde – und seit dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) in vielen Fällen Pflicht. Doch was bedeutet das für dich als Mieter? Musst du dafür zahlen? Und welche Vorteile bringt er wirklich?

In diesem Artikel erfährst du alles über den hydraulischen Abgleich: wann er vorgeschrieben ist, was er kostet und wie du als Mieter davon profitierst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pflicht seit 2023 für große Mehrfamilienhäuser (ab 10 Wohneinheiten)
  • Seit Oktober 2024: auch für Gebäude ab 6 Wohneinheiten
  • Kosten trägt der Vermieter (keine Umlage auf Mieter)
  • Spart bis zu 15% Heizkosten pro Jahr
  • Vermieter kann Modernisierungskosten langfristig auf die Miete umlegen

Was ist ein hydraulischer Abgleich?

Das Problem: Ungleichmäßige Wärmeverteilung

In vielen Mehrfamilienhäusern funktioniert die Heizung nicht optimal: Wohnungen nahe am Heizkessel werden zu heiß, während entfernte Wohnungen kaum warm werden. Die Folge:

  • Bewohner in der Nähe drehen die Heizung runter (Energie verpufft)
  • Bewohner weiter weg drehen voll auf (und frieren trotzdem)
  • Heizkosten steigen unnötig für alle

Die Lösung: Hydraulischer Abgleich

Beim hydraulischen Abgleich wird die Heizungsanlage so eingestellt, dass jeder Heizkörper genau die richtige Wassermenge bekommt. Ein Fachbetrieb:

  1. Berechnet den Wärmebedarf jedes Raums
  2. Stellt die Ventile an jedem Heizkörper ein
  3. Passt die Pumpenleistung an
  4. Optimiert die Vorlauftemperatur

Das Ergebnis: Gleichmäßige Wärme in allen Wohnungen – bei niedrigerem Energieverbrauch.

Verfahren A vs. Verfahren B

Es gibt zwei Arten des hydraulischen Abgleichs:

MerkmalVerfahren A (vereinfacht)Verfahren B (genau)
BerechnungNach SchätzwertenNach DIN EN 12831
AufwandGeringHoch
Kosten300–700 €700–1.500 €
GenauigkeitGutSehr gut
FörderungsfähigNur bedingtJa

Verfahren B ist bei Förderanträgen und für die GEG-Pflicht meist erforderlich.

Pflicht zum hydraulischen Abgleich

Die GEG-Regelungen 2026

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) (öffnet in neuem Tab) schreibt den hydraulischen Abgleich für bestimmte Gebäude vor:

GebäudegrößePflicht seitFrist
Ab 10 Wohneinheiten01.10.2023Abgelaufen
Ab 6 Wohneinheiten01.10.2024Abgelaufen
Unter 6 WohneinheitenKeine Pflicht

Wichtig: Für Gebäude mit 6 oder mehr Wohneinheiten hätte der Abgleich bereits erfolgen müssen. Ist das nicht geschehen, verstößt der Vermieter gegen das GEG.

Wann die Pflicht gilt

Die Pflicht greift nur, wenn:

  • Das Gebäude mit Gas beheizt wird
  • Die Heizungsanlage noch keinen hydraulischen Abgleich hatte
  • Das Gebäude die Mindestgröße erreicht

Ausnahmen:

  • Bereits erfolgter Abgleich (Nachweis erforderlich)
  • Heizungstausch innerhalb von 6 Monaten geplant
  • Technisch nicht umsetzbar (sehr selten)

Was passiert bei Verstoß?

Verstößt der Vermieter gegen die Pflicht:

  • Bußgeld möglich (bis zu 5.000 €)
  • Kein direkter Anspruch des Mieters auf Durchführung
  • Aber: Indiz für Energieverschwendung (relevant bei Heizkosten)

Kosten und Finanzierung

Was kostet der hydraulische Abgleich?

Die Kosten hängen von der Gebäudegröße ab:

WohneinheitenVerfahren AVerfahren B
6 WE400–600 €800–1.200 €
10 WE600–900 €1.200–1.800 €
20 WE900–1.300 €1.800–2.800 €
50+ WE1.500–2.500 €3.000–5.000 €

Zusätzlich können Kosten für neue Thermostatventile anfallen (ca. 30–80 € pro Heizkörper).

Wer zahlt?

Der Vermieter trägt die Kosten als Instandhaltungsmaßnahme. Eine direkte Umlage auf die Nebenkosten ist nicht zulässig.

Aber: Bei umfassender Modernisierung kann der Vermieter die Kosten über eine Modernisierungsumlage auf die Miete umlegen (8% der Kosten pro Jahr, begrenzt auf 0,50–1,00 €/m² monatlich).

Fördermöglichkeiten für Vermieter

Vermieter können Förderung beantragen:

ProgrammFörderungVoraussetzung
BAFA Heizungsoptimierung15–20%Verfahren B, hydraulischer Abgleich
KfW 261 (Effizienzhaus)Bis 45%Im Rahmen einer Komplettsanierung
LandesförderungenVariiertJe nach Bundesland

Tipp für Mieter: Informiere deinen Vermieter über die Fördermöglichkeiten – das senkt die Hemmschwelle.

Vorteile für Mieter

Weniger Heizkosten

Der größte Vorteil: niedrigere Heizkosten. Studien zeigen:

  • Durchschnittliche Ersparnis: 10–15% der Heizkosten
  • Bei schlecht eingestellten Anlagen: bis zu 25% Ersparnis
  • Amortisation der Kosten: 2–5 Jahre

Rechenbeispiel:

  • Heizkosten vorher: 1.200 €/Jahr
  • Ersparnis 15%: 180 €/Jahr
  • Bei 10 Jahren Mietdauer: 1.800 € gespart

Mehr Komfort

Nach dem hydraulischen Abgleich:

  • Alle Räume werden gleichmäßig warm
  • Keine gluckernden Heizkörper mehr
  • Schnelleres Aufheizen der Wohnung
  • Keine Überhitzung einzelner Räume

Bessere Heizungsregelung

Mit richtig eingestellten Thermostatventilen:

  • Genauere Temperatursteuerung möglich
  • Raumtemperatur bleibt konstanter
  • Weniger Nachregelungsbedarf

Deine Rechte als Mieter

Kannst du den Abgleich einfordern?

Einen direkten Anspruch auf hydraulischen Abgleich gibt es nicht. Aber:

  • Bei Gebäuden ab 6 WE mit Gasheizung ist er gesetzliche Pflicht
  • Du kannst den Vermieter auf die Pflicht hinweisen
  • Bei Untätigkeit: Beschwerde beim Bauamt möglich

Modernisierung ankündigen

Führt der Vermieter einen hydraulischen Abgleich als Modernisierung durch:

  • Er muss die Maßnahme 3 Monate vorher ankündigen
  • Du musst die Arbeiten dulden
  • Eine Mieterhöhung ist nur bei Modernisierung möglich, nicht bei reiner Instandhaltung

Nach dem Abgleich: Heizkosten prüfen

Nach einem hydraulischen Abgleich solltest du deine nächste Heizkostenabrechnung genau prüfen:

  • Sind die Kosten gesunken?
  • Stimmt der Verbrauch mit deinem Heizverhalten überein?
  • Wurden die Einstellungen korrekt übernommen?

Praktische Tipps

Vermieter informieren

Musterbrief: Vermieter auf hydraulischen Abgleich hinweisen

[Dein Name] [Deine Adresse] [PLZ Ort]

[Vermieter Name] [Vermieter Adresse] [PLZ Ort]

[Ort, Datum]

Betreff: Hydraulischer Abgleich nach GEG – Heizungsanlage [Adresse]

Sehr geehrte/r [Vermieter],

das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt für Mehrfamilienhäuser mit Gaszentralheizung ab 6 Wohneinheiten einen hydraulischen Abgleich vor. Die Frist hierfür ist am 01.10.2024 abgelaufen.

Meines Wissens wurde für die Heizungsanlage unseres Gebäudes noch kein hydraulischer Abgleich durchgeführt.

Ich möchte Sie höflich darauf hinweisen, dass:

  • Ein hydraulischer Abgleich die Heizkosten für alle Bewohner um bis zu 15% senken kann
  • Die BAFA eine Förderung von 15-20% der Kosten bietet
  • Die Maßnahme als Instandhaltung steuerlich absetzbar ist

Ich würde mich freuen, wenn Sie die Durchführung eines hydraulischen Abgleichs in Erwägung ziehen würden.

Mit freundlichen Grüßen

[Unterschrift] [Dein Name]

Ersetze die Platzhalter in [eckigen Klammern] mit deinen Daten

Anzeichen für fehlenden Abgleich

So erkennst du, ob ein hydraulischer Abgleich fehlt:

AnzeichenWas es bedeutet
Heizkörper werden unterschiedlich warmUngleiche Wasserverteilung
Gluckern in den LeitungenLuft im System, falsche Druckverhältnisse
Wohnung heizt langsam aufZu geringe Wassermenge
Einzelne Räume überhitzenZu viel Wassermenge
Hohe Heizkosten trotz SparensIneffiziente Anlage

Nach dem Abgleich

Wenn der Abgleich durchgeführt wurde:

  1. Lass dir die Dokumentation zeigen (Einstellprotokoll)
  2. Teste, ob alle Heizkörper gleichmäßig warm werden
  3. Überprüfe deine Thermostateinstellungen – eventuell musst du nachregeln
  4. Vergleiche die Heizkosten mit dem Vorjahr

Häufige Missverständnisse

"Ich muss die Kosten zahlen"

Falsch. Der hydraulische Abgleich ist eine Instandhaltungsmaßnahme – die Kosten trägt der Vermieter. Nur bei umfassender Modernisierung kann eine Mieterhöhung folgen.

"Das bringt doch nichts"

Falsch. Studien belegen 10–15% Einsparung im Durchschnitt. Bei schlecht eingestellten Anlagen sogar mehr. Die Investition rechnet sich meist innerhalb weniger Jahre.

"Das muss nur bei Neubauten gemacht werden"

Falsch. Die GEG-Pflicht gilt gerade für Bestandsgebäude mit Gasheizung. Bei Neubauten ist der Abgleich ohnehin Standard.

"Mein Vermieter kann das ignorieren"

Teilweise richtig. Es gibt keine direkte Durchsetzung durch Mieter. Aber: Die Pflicht besteht, Bußgelder sind möglich, und du kannst das Bauamt informieren.

Häufige Fragen zum hydraulischen Abgleich

Was ist ein hydraulischer Abgleich einfach erklärt?
Beim hydraulischen Abgleich wird die Heizungsanlage so eingestellt, dass jeder Heizkörper genau die richtige Menge Heizwasser bekommt. Dadurch werden alle Räume gleichmäßig warm und die Heizung arbeitet effizienter – das spart bis zu 15% Heizkosten.
Ist der hydraulische Abgleich 2026 Pflicht?
Ja, für Mehrfamilienhäuser mit Gaszentralheizung ab 6 Wohneinheiten ist er seit Oktober 2024 Pflicht. Gebäude ab 10 Wohneinheiten mussten ihn bereits bis Oktober 2023 durchführen. Für kleinere Gebäude unter 6 Wohneinheiten gibt es keine Pflicht.
Wer zahlt den hydraulischen Abgleich – Mieter oder Vermieter?
Der Vermieter zahlt. Der hydraulische Abgleich ist eine Instandhaltungsmaßnahme und kann nicht auf die Nebenkosten umgelegt werden. Nur bei einer umfassenden Modernisierung kann der Vermieter einen Teil der Kosten über eine Mieterhöhung weitergeben.
Was kostet ein hydraulischer Abgleich?
Die Kosten hängen von der Gebäudegröße und dem Verfahren ab. Für ein Mehrfamilienhaus mit 10 Wohnungen kostet Verfahren A (vereinfacht) etwa 600-900 Euro, Verfahren B (genau) etwa 1.200-1.800 Euro. Hinzu können Kosten für neue Thermostatventile kommen.
Wie viel kann ich durch den hydraulischen Abgleich sparen?
Im Durchschnitt sparst du 10-15% deiner Heizkosten, bei schlecht eingestellten Anlagen bis zu 25%. Bei Heizkosten von 1.200 Euro pro Jahr sind das 120-180 Euro jährlich oder 1.200-1.800 Euro über 10 Jahre Mietdauer.
Kann ich als Mieter den hydraulischen Abgleich einfordern?
Einen direkten Rechtsanspruch gibt es nicht. Du kannst deinen Vermieter aber auf die gesetzliche Pflicht nach GEG hinweisen und auf die Förderungsmöglichkeiten aufmerksam machen. Bei Untätigkeit kannst du dich an das Bauamt wenden.
HT

HeizkostenChecker Team

Veröffentlicht am 18. Januar 2026

Themen:Hydraulischer AbgleichGEGHeizkosten sparenVermieter PflichtenEnergieeffizienz

Kostenloser Schnellcheck

Finde Fehler in deiner Abrechnung – in 30 Sekunden.

Jetzt prüfen

Dein Recht. Verständlich gemacht.

Prüfe jetzt deine Heizkostenabrechnung

Über 50% aller Abrechnungen enthalten Fehler. Unser Schnellcheck findet sie – kostenlos, in 30 Sekunden, ob Mieter oder Eigentümer.

Jetzt kostenlos prüfen

Kostenlos · Keine Registrierung · DSGVO-konform