247,83 Euro Guthaben. Schwarz auf weiß steht es in deiner Nebenkostenabrechnung. Du hast dich gefreut, vielleicht schon überlegt, was du damit machst. Aber jetzt sind drei Monate vergangen – und das Geld ist immer noch nicht auf deinem Konto.
Anrufe beim Vermieter? Vertröstungen. E-Mails? Keine Antwort. Langsam fragst du dich: Kann er das einfach machen?
Nein, kann er nicht. Dein Guthaben steht dir zu – und du hast Werkzeuge, es einzufordern. Hier erfährst du, wie du Schritt für Schritt an dein Geld kommst.
Das Wichtigste in Kürze
- Sofort fällig: Guthaben muss mit der Abrechnung ausgezahlt werden
- Keine extra Frist: Vermieter darf nicht monatelang warten
- Verzugszinsen: Nach Mahnung 5% über Basiszinssatz
- Aufrechnung möglich: Du darfst das Guthaben von der Miete abziehen
- 3 Jahre Verjährung: Danach verfällt dein Anspruch
Dein Anspruch auf Guthaben: Die rechtliche Grundlage
Wann wird das Guthaben fällig?
Kurze Antwort: Sofort. Sobald dein Vermieter dir die Nebenkostenabrechnung zuschickt, ist ein eventuelles Guthaben fällig. Das ergibt sich aus § 556 Abs. 3 BGB.
Anders als bei Nachzahlungen – wo du 30 Tage Zeit hast – gibt es für den Vermieter keine gesetzliche "Schonfrist". Das Geld steht dir ab dem Tag zu, an dem du die Abrechnung erhältst.
In der Praxis lassen viele Vermieter das Guthaben mit der nächsten Miete verrechnen oder überweisen es innerhalb von 2-4 Wochen. Beides ist in Ordnung – solange es zeitnah passiert.
Was sagt die Rechtsprechung?
Die Gerichte sind hier auf deiner Seite:
| Urteil | Kernaussage |
|---|---|
| BGH VIII ZR 107/08 | Guthaben ist sofort fällig, keine Wartefrist |
| AG München 411 C 20765/14 | 4 Wochen Zahlungsverzug = Mahnung berechtigt |
| LG Berlin 65 S 144/19 | Aufrechnung mit Miete zulässig |
Schritt für Schritt: So forderst du dein Guthaben ein
Schritt 1: Abrechnung auf Fehler prüfen
Bevor du das Guthaben einforderst, prüfe kurz: Stimmt die Abrechnung überhaupt? Ein fehlerhaftes Guthaben kann sich nämlich schnell in eine Nachzahlung verwandeln, wenn der Vermieter nachbessert.
Achte besonders auf:
- Ist der Abrechnungszeitraum korrekt (12 Monate)?
- Stimmt deine Wohnfläche?
- Wurden alle Vorauszahlungen berücksichtigt?
Wenn die Abrechnung in Ordnung ist, geht's weiter.
Schritt 2: Freundliche Erinnerung (Tag 1-14)
Gib deinem Vermieter zunächst die Chance, das Guthaben ohne Druck zu überweisen. Manchmal liegt es an Buchhaltungsverzögerungen oder Urlaubsabwesenheit.
Per E-Mail oder Brief:
"Sehr geehrte/r [Vermieter], laut Nebenkostenabrechnung vom [Datum] steht mir ein Guthaben von [Betrag] Euro zu. Ich bitte um Überweisung auf mein Konto [IBAN] bis zum [Datum in 14 Tagen]. Vielen Dank."
Schritt 3: Formelle Mahnung (nach 2-4 Wochen)
Keine Reaktion? Jetzt wird es ernst. Eine Mahnung setzt deinen Vermieter in Verzug – und ab diesem Moment laufen Verzugszinsen.
Wichtig: Die Mahnung muss schriftlich erfolgen und eine konkrete Frist setzen. Per Einschreiben bist du auf der sicheren Seite.
Schritt 4: Aufrechnung oder rechtliche Schritte (nach Fristablauf)
Reagiert dein Vermieter auch auf die Mahnung nicht, hast du zwei Optionen:
- Aufrechnung mit der Miete – Zieh das Guthaben einfach von deiner nächsten Mietzahlung ab
- Mahnbescheid – Gerichtliches Mahnverfahren einleiten
Praxisbeispiel: So hat Tobias sein Guthaben durchgesetzt
Tobias aus Düsseldorf erhielt im März seine Nebenkostenabrechnung: 312 Euro Guthaben. Sein Vermieter – eine große Hausverwaltung – reagierte weder auf E-Mails noch auf Anrufe.
Was Tobias tat:
Nach 3 Wochen ohne Reaktion schickte er eine formelle Mahnung per Einschreiben mit 14-Tages-Frist. Als auch darauf keine Antwort kam, rechnete er das Guthaben mit der April-Miete auf: Statt 850 Euro überwies er nur 538 Euro.
Die Reaktion:
Die Hausverwaltung meldete sich plötzlich – mit der Drohung, wegen "Mietrückstand" zu kündigen. Tobias blieb ruhig und verwies auf seine Mahnung und die Rechtslage.
Das Ergebnis:
Die Hausverwaltung lenkte ein. Tobias bekam zusätzlich 8,40 Euro Verzugszinsen für die 6 Wochen Verzug. Gesamtersparnis: 320,40 Euro – und eine Lektion für die Verwaltung, Guthaben künftig pünktlich auszuzahlen.
Musterbrief: Mahnung wegen nicht gezahltem Guthaben
[Dein Name] [Deine Adresse] [PLZ Ort]
[Vermieter Name] [Vermieter Adresse] [PLZ Ort]
[Ort], [Datum]
Betreff: Mahnung – Auszahlung Nebenkostenguthaben aus Abrechnung vom [Datum]
Sehr geehrte/r [Vermieter],
mit Schreiben vom [Datum der Abrechnung] haben Sie mir die Nebenkostenabrechnung für den Zeitraum [von-bis] übersandt. Daraus ergibt sich zu meinen Gunsten ein Guthaben in Höhe von [Betrag] Euro.
Trotz meiner Erinnerung vom [Datum der ersten Erinnerung] ist die Zahlung bis heute nicht erfolgt.
Ich fordere Sie hiermit auf, den Betrag von [Betrag] Euro bis spätestens [Datum – 14 Tage ab heute] auf folgendes Konto zu überweisen:
Kontoinhaber: [Dein Name] IBAN: [Deine IBAN] BIC: [Dein BIC]
Mit Zugang dieses Schreibens befinden Sie sich gemäß § 286 BGB in Verzug. Ab diesem Zeitpunkt schulden Sie mir Verzugszinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz (§ 288 BGB).
Sollte die Zahlung nicht fristgerecht erfolgen, behalte ich mir vor, das Guthaben gemäß § 387 BGB mit der nächsten fälligen Miete zu verrechnen oder gerichtliche Schritte einzuleiten.
Mit freundlichen Grüßen
[Unterschrift] [Dein Name]
Ersetze die Platzhalter in [eckigen Klammern] mit deinen Daten
Verzugszinsen berechnen: So viel steht dir zu
Ab dem Tag nach Fristablauf deiner Mahnung schuldet dir dein Vermieter Verzugszinsen. Die Berechnung:
Formel: Guthaben × (Basiszinssatz + 5%) × Tage / 365
Aktueller Basiszinssatz
Der Basiszinssatz wird halbjährlich von der Bundesbank festgelegt. Stand Januar 2026: 3,62%
Das ergibt einen Verzugszinssatz von: 3,62% + 5% = 8,62%
Beispielrechnung
| Guthaben | Verzugstage | Verzugszinsen |
|---|---|---|
| 200 € | 30 Tage | 1,42 € |
| 300 € | 60 Tage | 4,25 € |
| 500 € | 90 Tage | 10,62 € |
Lohnt sich das? Bei kleinen Beträgen und kurzer Verzögerung nicht wirklich. Aber: Die Zinsen sind ein Druckmittel. Und bei längeren Verzögerungen oder höheren Guthaben summiert sich das.
Aufrechnung: So ziehst du das Guthaben von der Miete ab
Die eleganteste Lösung, wenn der Vermieter nicht zahlt: Du ziehst das Guthaben einfach von deiner nächsten Miete ab. Das nennt sich Aufrechnung (§ 387 BGB).
Voraussetzungen für die Aufrechnung
- Fälligkeit: Das Guthaben muss fällig sein (ist es ab Erhalt der Abrechnung)
- Gleichartigkeit: Beide Forderungen müssen Geld sein (Miete = Geld, Guthaben = Geld ✓)
- Keine Ausschluss-Klausel: Manche Mietverträge schließen Aufrechnung aus – prüfe das
Wie du die Aufrechnung erklärst
Du musst die Aufrechnung vor oder mit der Zahlung erklären. Das geht per E-Mail oder Brief:
"Ich erkläre hiermit die Aufrechnung meines Nebenkostenguthabens in Höhe von [Betrag] Euro gegen die Miete für [Monat]. Die Überweisung von [Restbetrag] Euro erfolgt fristgerecht."
Achtung: Überweise den Restbetrag pünktlich! Sonst gerätst du in Zahlungsverzug.
Was wenn der Vermieter protestiert?
Manche Vermieter reagieren mit Kündigungsdrohungen wegen "Mietrückstand". Lass dich davon nicht einschüchtern. Wenn du korrekt aufgerechnet hast, liegt kein Mietrückstand vor.
Im Zweifel: Dokumentiere alles und hol dir Unterstützung vom Mieterverein (öffnet in neuem Tab).
Rechtliche Schritte: Der Mahnbescheid
Wenn freundliche Mahnungen und Aufrechnung nicht funktionieren, bleibt der Gang zum Gericht. Der einfachste Weg: Das gerichtliche Mahnverfahren.
So funktioniert der Mahnbescheid
- Antrag stellen – Online unter mahngerichte.de (Kosten: ab ca. 32 Euro)
- Gericht prüft – Nur formell, nicht inhaltlich
- Zustellung – Vermieter erhält Mahnbescheid
- Widerspruch oder Zahlung – 2 Wochen Frist für Vermieter
Kosten
| Streitwert | Gerichtskosten |
|---|---|
| Bis 500 € | 32 € |
| 500-1.000 € | 35 € |
| 1.000-1.500 € | 45 € |
Die Kosten bekommst du vom Vermieter erstattet, wenn er zahlt.
Wann lohnt sich der Mahnbescheid?
- Ja: Bei höheren Guthaben (>300€) und beharrlicher Verweigerung
- Nein: Bei kleinen Beträgen oder wenn du umziehen willst (Stress mit Vermieter)
Verjährung: Wie lange kannst du dein Guthaben einfordern?
Dein Anspruch auf das Guthaben verjährt nach 3 Jahren. Die Frist beginnt am Ende des Jahres, in dem du die Abrechnung erhalten hast.
Beispiel: Du erhältst die Abrechnung im April 2026. Die Verjährung beginnt am 31.12.2026 und endet am 31.12.2029.
Was unterbricht die Verjährung?
- Mahnbescheid – Verjährung wird komplett neu gestartet
- Klage – Ebenfalls Neustart
- Schriftliche Anerkennung – Wenn der Vermieter das Guthaben schriftlich bestätigt
Eine normale Mahnung unterbricht die Verjährung nicht, setzt den Vermieter aber in Verzug.
Häufige Fragen zum Nebenkostenguthaben
Wie lange darf der Vermieter mit der Auszahlung warten?
Kann ich das Guthaben einfach von der Miete abziehen?
Was wenn der Vermieter die Abrechnung korrigiert?
Mein Vermieter sagt, er verrechnet es mit der Vorauszahlung. Darf er das?
Was wenn ich ausgezogen bin und mein Guthaben nicht bekomme?
Lohnt sich ein Anwalt bei kleinen Guthaben?
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Bei komplexen Fällen oder hohen Streitwerten empfehlen wir, einen Fachanwalt oder den Mieterverein zu kontaktieren.

