Verdunster-Heizkostenverteiler
Heizkostenverteiler mit einem Glasröhrchen voller Messflüssigkeit. Je wärmer der Heizkörper, desto mehr verdunstet – das ist der Ablesewert.
Fundstelle: § 5 Abs. 1 und 3 HeizkostenV
Das kleine Gerät mit dem Sichtfenster und der farbigen Flüssigkeit an deinem Heizkörper ist ein Heizkostenverteiler nach dem Verdunstungsprinzip, kurz Verdunster. Er misst keine Kilowattstunden. Er zeigt, wie viel Wärme dein Heizkörper im Verhältnis zu den anderen Heizkörpern im Haus abgegeben hat.
So funktioniert der Verdunster
Im Gehäuse steckt ein oben offenes Glasröhrchen (Ampulle) mit einer Messflüssigkeit. Das Gehäuse liegt mit einem Rückenteil aus Metall am Heizkörper an und nimmt dessen Wärme auf. Je wärmer der Heizkörper ist und je länger er läuft, desto mehr Flüssigkeit verdunstet. Wie weit der Flüssigkeitsspiegel gesunken ist, liest du an einer Skala mit Strichen ab (Wikipedia: Heizkostenverteiler (öffnet in neuem Tab)).
Als Messflüssigkeit dienen Stoffe, die langsam verdunsten, damit der Vorrat auch an einem heißen Heizkörper ein ganzes Jahr reicht, zum Beispiel Benzoesäuremethylester oder 1-Hexanol.
Die Kaltverdunstungsvorgabe
Die Flüssigkeit verdunstet auch dann ein wenig, wenn der Heizkörper kalt ist, etwa im Sommer. Damit diese Kaltverdunstung nicht als Verbrauch zählt, ist das Röhrchen über den Nullpunkt der Skala hinaus befüllt. Diese Mehrfüllung heißt Kaltverdunstungsvorgabe. Die Idee: Ein Heizkörper, der das ganze Jahr kalt bleibt, soll am Ende ungefähr beim Nullstrich stehen.
Ablesung und Röhrchenwechsel
Einmal im Jahr kommt der Ableser, notiert den Stand und setzt ein neues Röhrchen ein. Bei manchen Geräten bleibt das alte Röhrchen als Vorjahresröhrchen zur Kontrolle im Gehäuse. Manche Skalen haben zusätzlich eine Kontrollskala mit anderer Teilung, um Ablesefehler zu erkennen.
Der abgelesene Wert ist noch nicht das, was abgerechnet wird. Er wird mit einem Bewertungsfaktor multipliziert, der die Leistung des Heizkörpers und den Wärmeübergang auf das Gerät berücksichtigt (siehe Kc-Wert). Bei Geräten mit sogenannter Produktskala steckt der Faktor schon in der Stricheinteilung, dann steht in der Abrechnung meist kein eigener Faktor.
Beispiel mit Zahlen
Deine Wohnung hat zwei Heizkörper mit Verdunstern. In der Abrechnung steht:
- Wohnzimmer: 18 Striche × Faktor 2,1 = 37,8 Einheiten
- Küche: 9 Striche × Faktor 1,2 = 10,8 Einheiten
- Deine Summe: 37,8 + 10,8 = 48,6 Einheiten
Alle Wohnungen im Haus kommen zusammen auf 2.430 Einheiten. Dein Anteil: 48,6 ÷ 2.430 = 2 %. Sind 14.580 € der Heizkosten nach Verbrauch zu verteilen, trägst du davon 2 % = 291,60 €. Dazu kommt dein Anteil an den Grundkosten.
Die Beispielwerte sind ausgedacht. Striche am Röhrchen lassen sich nicht mit den Zahlen eines elektronischen Heizkostenverteilers vergleichen, und auch nicht zwischen zwei Häusern.
Worauf du achten kannst
- Stimmt der Ablesewert? Notiere dir beim Ablesetermin den Stand jedes Röhrchens oder mach ein Foto. Dann kannst du die Werte mit der Abrechnung vergleichen.
- Passt der Faktor zum Heizkörper? Zwei baugleiche Heizkörper sollten ähnliche Faktoren haben. Wurde ein Heizkörper getauscht, braucht er einen neuen Faktor.
- Passt das Gerät zur Heizung? Die Heizkostenverordnung verlangt Geräte, die für das jeweilige Heizsystem geeignet sind (§ 5 Abs. 1 HeizkostenV (öffnet in neuem Tab)). Einfache Verdunster (Klasse A nach der Norm EN 835) sind nicht für Heizungen mit mittleren Auslegungstemperaturen unter 60 °C zugelassen (Wikipedia (öffnet in neuem Tab)). Das kann nach einer Modernisierung eine Rolle spielen.
- Frist bis Ende 2026: Verdunster lassen sich nicht per Funk ablesen. Nicht fernablesbare Geräte müssen nach § 5 Abs. 3 HeizkostenV (öffnet in neuem Tab) bis zum 31. Dezember 2026 nachgerüstet oder ausgetauscht werden, außer das ist technisch nicht möglich oder würde zu einer unbilligen Härte führen. Mehr dazu unter Fernablesung.
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