Gas wird billiger, hieß es. Deine Nachzahlung sieht das anders.
Vor dir liegt die Heizkostenabrechnung für 2025, und unten steht ein Betrag, mit dem du nicht gerechnet hast. Dabei hast du doch gelesen, dass die Gaspreise sinken. Beides kann gleichzeitig stimmen. Laut Heizspiegel 2026 kostete Heizen mit Gas im Abrechnungsjahr 2025 für eine 70-Quadratmeter-Wohnung im Schnitt 1.170 €. Das sind 14 Prozent mehr als im Jahr davor.
Gesunken ist vor allem das, was in den Schlagzeilen stand: der Einkaufspreis der Versorger und die Prognose für 2026. Ob dein Anstieg zu diesen 14 Prozent passt, prüfst du mit vier Zahlen aus deiner Abrechnung. Wenn du das nicht allein machen willst: Im Experten-Check für 9,99 € rechnen wir deine Abrechnung Position für Position nach.
Das Wichtigste in Kürze
- Gesunken: Beschaffung und Vertrieb, laut Destatis im zweiten Halbjahr 2025 rund 10 % unter dem Vorjahr. Der Durchschnittspreis für Haushalte blieb mit 12,23 ct/kWh praktisch gleich (−0,4 %).
- Gestiegen: Netzentgelte (+19,7 %) sowie Steuern und Abgaben (+5,8 %, darin der CO₂-Preis mit 55 statt 45 € je Tonne). Dazu war 2025 kühler als das Rekordjahr 2024.
- Sinken soll: das Heizen mit Gas im Jahr 2026 (Prognose −4 %). Das steht erst in der Abrechnung, die 2027 kommt.
- Deine vier Prüfzahlen: Preis je kWh im Vorjahresvergleich, dein Verbrauch, die angerechneten Vorauszahlungen und die CO₂-Aufteilung.
Was beim Gas 2025 billiger wurde und was nicht
Das Statistische Bundesamt misst zweimal im Jahr, was private Haushalte im Schnitt für Erdgas zahlen, inklusive Steuern und Abgaben. Über das Jahr 2025 hat sich an diesem Durchschnitt kaum etwas bewegt:
| Halbjahr | Ø Erdgaspreis Haushalte | Veränderung zum Vorjahreshalbjahr |
|---|---|---|
| 2. Hj. 2024 | 12,28 ct/kWh | +7,6 % |
| 1. Hj. 2025 | 12,13 ct/kWh | +2,2 % |
| 2. Hj. 2025 | 12,23 ct/kWh | −0,4 % |
Quelle: Destatis, Pressemitteilungen März 2025 (öffnet in neuem Tab), September 2025 (öffnet in neuem Tab) und März 2026 (öffnet in neuem Tab). Durchschnitt aller Haushalte, nicht der Preis deines Hauses.
Spannend wird es unter der Oberfläche. Die Kosten für Beschaffung und Vertrieb lagen im zweiten Halbjahr 2025 um 10,0 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das ist das „billiger“ aus den Nachrichten. Gleichzeitig stiegen die Netzentgelte um 19,7 Prozent und die Steuern, Umlagen und Abgaben um 5,8 Prozent. Unterm Strich: fast null.
Den Anstieg bei den Abgaben erklärt Destatis mit zwei Aufschlägen, die zum 1. Januar 2025 gestiegen sind. Der CO₂-Preis ging nach § 10 Abs. 2 BEHG (öffnet in neuem Tab) von 45 auf 55 Euro je Tonne, ein Plus von 22 Prozent. Die Gasspeicherumlage lag 2025 bei 0,289 Cent je Kilowattstunde (netto). Sie ist seit dem 1. Januar 2026 weggefallen (Verbraucherzentrale Niedersachsen (öffnet in neuem Tab)).
Dazu kommt das Wetter. 2024 war mit 10,9 °C das wärmste Jahr seit Messbeginn 1881 (DWD (öffnet in neuem Tab)). 2025 lag bei 10,1 °C (DWD (öffnet in neuem Tab)). Wer gleich heizt, verbraucht in einem kühleren Jahr eben etwas mehr.
Genau das bildet der Heizspiegel 2026 (öffnet in neuem Tab) von co2online ab, erschienen am 22. September 2026: Gas 2025 für 70 m² im Schnitt 1.170 € (+14 %). Als Gründe nennt co2online gestiegene Preise einzelner Energieträger und den kälteren Winter. Für 2026 erwartet co2online bei Gas 1.120 € (−4 %). Diese Entlastung ist eine Prognose für das laufende Jahr. In deiner Abrechnung für 2025 steckt sie nicht.
Liegst du drüber? Der Abgleich in drei Minuten
Nimm deine Abrechnung für 2025 und die für 2024. Mehr brauchst du nicht.
Erstens: Kosten je Quadratmeter. Teile deine Gesamtkosten für Heizung und Warmwasser durch deine Wohnfläche. Der Heizspiegel 2026 setzt für Gas die Obergrenze des mittleren Bereichs bei 16,70 € je m² an, „erhöht“ reicht bis 25,50 €, darüber gilt „zu hoch“ (Abrechnungsjahr 2025, Gebäude mit 250 bis 500 m², inklusive Warmwasser). Alle Energieträger findest du unter Vergleichswerte.
Zweitens: der Anstieg. Um wie viel Prozent sind deine Gesamtkosten gegenüber 2024 gestiegen? Die 14 Prozent aus dem Heizspiegel sind ein Durchschnitt, kein Grenzwert. Aber sie sind ein guter Maßstab.
Drittens: dein Verbrauch. Ist er ähnlich wie im Vorjahr, erklärt er keinen großen Sprung.
Liegt dein Wert über 16,70 € je m²? Oder sind deine Kosten deutlich stärker gestiegen als 14 Prozent, obwohl dein Verbrauch kaum gestiegen ist? Dann liegt die Ursache in deiner Abrechnung und nicht in den Nachrichten. Und dann lohnt es sich, die Zahlen dahinter nachzurechnen.
Warum deine Nachzahlung stärker steigen kann als der Gaspreis
Nicht jede hohe Nachzahlung hat einen Fehler als Ursache. Drei Mechanismen machen aus kleinen Preisbewegungen große Beträge.
Dein Haus zahlt nicht den Durchschnittspreis
Die Destatis-Werte sind ein Mittel über alle Haushalte. Das Gas für dein Mietshaus kauft aber dein Vermieter ein, mit einem eigenen Vertrag. Wann er den abgeschlossen hat, zu welchem Preis und mit welcher Laufzeit, siehst du in den Nachrichten nicht. Ein Vertrag aus einer teuren Phase kann 2025 über dem Schnitt liegen, ein günstiger darunter. Welcher Preis bei dir gilt, zeigt nur die Gesamtabrechnung deines Hauses.
Die Vorauszahlungen sind gleich geblieben
Die Nachzahlung ist eine Differenz: Kosten minus Vorauszahlungen. Kleine Kostensteigerungen wirken darauf wie ein Hebel.
Ein Rechenbeispiel mit den Heizspiegel-Werten: 2024 kostete Heizen mit Gas für 70 m² laut Heizspiegel 2025 (öffnet in neuem Tab) im Schnitt 1.030 €. Hast du dafür 1.000 € vorausgezahlt, lag die Nachzahlung bei 30 €. Bleiben die Vorauszahlungen gleich und die Kosten steigen um 14 Prozent auf 1.170 €, sind es 170 €. Fast sechsmal so viel, bei einem ganz normalen Anstieg.
Die CO₂-Kosten sind je Tonne um 22 Prozent gestiegen
Der CO₂-Preis steckt im Gaspreis deines Hauses. Er wird aber nicht mehr allein von dir getragen. Nach dem CO2KostAufG (öffnet in neuem Tab) werden die CO₂-Kosten nach dem Ausstoß des Gebäudes je Quadratmeter zwischen Mieter und Vermieter aufgeteilt. Wie viel davon bei dir landet, hängt also an der Einstufung deines Hauses, und die ist eine Zahl, die du nachprüfen kannst. Wie das Stufenmodell funktioniert, erklärt unser Artikel zur CO2-Kostenaufteilung.
Alle Kostentreiber der Abrechnung für 2025, auch für Öl und Fernwärme, haben wir in Heizkostenabrechnung 2025: Warum die Nachzahlung höher ist zusammengestellt. Heizt dein Haus mit Fernwärme, lies Fernwärme-Nachzahlung 2025: Warum so hoch?.
Vier Zahlen, die du in deiner Abrechnung nachschlägst
Jetzt wird es konkret. Diese vier Zahlen trennen „normaler Anstieg“ von „da stimmt etwas nicht“.
1. Der Preis je Kilowattstunde im Vergleich zum Vorjahr
Such in der Gesamtabrechnung des Hauses die Brennstoffkosten und die verbrauchte Gasmenge in kWh. Teile das eine durch das andere, für 2024 und für 2025. Der Haushaltsdurchschnitt blieb 2025 fast gleich. Ist der Preis in deiner Abrechnung trotzdem deutlich gestiegen, ist das kein Beweis für einen Fehler. Es ist aber eine berechtigte Frage an die Hausverwaltung.
Die Antwort steht auf der Gasrechnung des Versorgers. Seit dem CO2KostAufG muss sie die Energiemenge in kWh, die CO₂-Emissionen in Kilogramm und den CO₂-Preisbestandteil ausweisen (§ 3 CO2KostAufG (öffnet in neuem Tab)). Einsicht in diese Belege muss dir der Vermieter auf Verlangen gewähren (§ 556 Abs. 4 BGB (öffnet in neuem Tab)). Wie das abläuft, steht in unserem Ratgeber zur Belegeinsicht.
2. Dein Verbrauch im Vergleich zum Vorjahr
Vergleiche deine Verbrauchseinheiten oder kWh mit 2024. Ein paar Prozent mehr passen zu einem kühleren Jahr. Hilfreich ist die kleine Grafik in deiner Abrechnung: Nach § 6a Abs. 3 HeizkostenV (öffnet in neuem Tab) gehört dazu ein Vergleich deines witterungsbereinigten Verbrauchs mit dem Vorjahr. Achtung bei neuen Messgeräten: Nach einem Gerätewechsel sind Einheiten oft nicht mehr direkt vergleichbar.
Mit diesen beiden Zahlen kannst du deinen Anstieg schon zerlegen. Trag deine Heizkosten, deine Einheiten und den Preis je Einheit aus beiden Jahren ein. Der Rechner zeigt dir, wie viel auf den Verbrauch, auf den Preis und auf die Grundkosten entfällt.
Kostenanstieg-Check
Woher kommt der Anstieg deiner Heizkosten?
3. Die angerechneten Vorauszahlungen
Klingt banal, ist aber reine Rechenarbeit mit echtem Geld. Addiere deine Überweisungen für 2025 anhand der Kontoauszüge. Vergleiche die Summe mit der Zeile „geleistete Vorauszahlungen“ in der Abrechnung. Wurde die Vorauszahlung im Lauf des Jahres erhöht, prüfe, ab welchem Monat der neue Betrag angerechnet ist. Jeder fehlende Monat erhöht deine Nachzahlung um genau diesen Betrag.
4. Die CO₂-Kosten und ihre Aufteilung
Laut § 7 Abs. 3 CO2KostAufG (öffnet in neuem Tab) weist der Vermieter in der Heizkostenabrechnung drei Dinge aus: deinen Anteil an den CO₂-Kosten, die Einstufung des Gebäudes und die Berechnungsgrundlagen. Schau nach, ob alle drei da sind.
Die Einstufung kannst du nachrechnen: CO₂-Ausstoß des Hauses in Kilogramm (steht auf der Gasrechnung) geteilt durch die Gesamtwohnfläche. Das Ergebnis ordnest du in die zehn Stufen der Anlage zum CO2KostAufG (öffnet in neuem Tab) ein. Unter 12 kg je m² trägt der Mieter alles, ab 52 kg je m² nur noch 5 Prozent. Für den Fall, dass die Angaben fehlen, enthält § 7 Abs. 4 CO2KostAufG (öffnet in neuem Tab) eine eigene Regel. Was daraus in deinem Fall folgt, ist eine Rechtsfrage für Mieterverein oder Fachanwalt.
Rechenbeispiel: Janas Nachzahlung aus Leipzig
Fiktives Beispiel zur Veranschaulichung. Name und Zahlen sind erfunden.
Jana wohnt in Leipzig, 62 Quadratmeter, Gas-Zentralheizung. Für 2024 musste sie 50 € nachzahlen. Für 2025 standen 242 € auf der Abrechnung. „Gas ist doch billiger geworden“, war ihr erster Gedanke.
Was die vier Zahlen zeigten: Ihre Kosten stiegen von 890 € auf 1.012 €, also um knapp 14 Prozent. Das sind 16,32 € je m², unter der Heizspiegel-Grenze von 16,70 €. Ihr Verbrauch lag 3 Prozent über dem Vorjahr, der Preis je kWh im Haus rund 10 Prozent höher. Zusammen passt das zu den 14 Prozent aus dem Heizspiegel. Die CO₂-Aufteilung war ausgewiesen, mit Stufe und Vermieteranteil. Bis hierhin passte alles zum Durchschnitt.
Was nicht passte: In der Zeile „geleistete Vorauszahlungen“ standen 770 €. Jana hatte aber zwölfmal 70 € überwiesen, also 840 €. Ein Monat fehlte.
Was sie tat: Sie schickte der Hausverwaltung die Kontoauszüge und bat um Korrektur. Die Verwaltung rechnete den fehlenden Monat an. Die Nachzahlung sank von 242 € auf 172 €. Unterschied: 70 €.
Die restlichen 172 € sind erklärbar: 122 € Kostenanstieg plus 50 € Lücke, die schon 2024 bestand. Jana hat ihre Vorauszahlung deshalb auf 85 € im Monat angepasst. Nicht jede Abrechnung enthält so eine Lücke. Aber ohne die vier Zahlen hätte Jana nie gewusst, welcher Teil ihrer Nachzahlung erklärbar ist und welcher nicht.
So gehst du jetzt vor
Nachrechnen, bevor du entscheidest. Die vier Zahlen oben sind Rechenarbeit, keine Rechtsfrage. Wenn sie zum Durchschnitt passen, weißt du, woher deine Nachzahlung kommt.
Belege anfordern, wenn eine Zahl nicht passt. Gasrechnung, Gesamtabrechnung, CO₂-Berechnung: Einsicht in die Belege sieht § 556 Abs. 4 BGB (öffnet in neuem Tab) ausdrücklich vor.
Vorauszahlung anpassen. Nach einer Abrechnung kann jede Vertragspartei die Vorauszahlung durch Erklärung in Textform auf eine angemessene Höhe anpassen (§ 560 Abs. 4 BGB (öffnet in neuem Tab)). Wie du den neuen Betrag berechnest, steht in Nebenkostenvorauszahlung anpassen.
Die Fristen kennen. Läuft dein Abrechnungszeitraum über das Kalenderjahr, muss dir die Abrechnung für 2025 bis zum 31. Dezember 2026 mitgeteilt werden. Einwendungen teilst du dem Vermieter spätestens bis zum Ablauf des zwölften Monats nach Zugang mit. Beides steht in § 556 Abs. 3 BGB (öffnet in neuem Tab).
Rechtsfragen abgeben. Ob du zahlen musst, ob eine Angabe ausreicht oder was aus einem Fehler folgt, klären Mieterverein oder Fachanwalt für Mietrecht. Dieser Artikel rechnet und erklärt, er ersetzt keine Rechtsberatung. Wie du zahlst, ohne die Forderung vorschnell anzuerkennen, beschreibt unser Artikel Nachzahlung unter Vorbehalt zahlen.
Zahl die Nachzahlung nicht ungeprüft.
Hinter hohen Nachzahlungen stecken oft Rechenfehler: falscher Verteilerschlüssel, geschätzte Werte, Posten, die im Katalog der Betriebskostenverordnung gar nicht auftauchen. Ein Experte prüft deine Abrechnung Position für Position, bevor du überweist. Dein Report kommt meist noch am selben Tag, ab deiner Einsendung. Was du bekommst
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Häufige Fragen zur Gas-Nachzahlung 2025
Sind die Gaspreise 2025 gesunken oder gestiegen?
Wann merke ich die sinkenden Gaspreise in meiner Abrechnung?
Wie viel Nachzahlung ist bei Gas für 2025 normal?
Wie hoch war der CO2-Preis 2025?
Wo finde ich den Gaspreis meines Hauses?
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