Sechs Prozent pro Grad. Diese Zahl steht in fast jedem Spartipp.
Also drehst du im Herbst das Thermostat von 21 auf 20 Grad, rechnest kurz im Kopf und freust dich auf 6 % weniger Heizkosten. Dann kommt die nächste Abrechnung – und die Ersparnis ist deutlich kleiner als gedacht. Hast du falsch gespart? Nein. Die Faustregel stimmt. Sie misst nur etwas anderes als deine Abrechnung.
Die 6 % beziehen sich auf die Heizenergie. Als Mieter mit Zentralheizung zahlst du aber nicht einfach deine Energie, sondern einen Anteil an den Kosten des ganzen Hauses. Und nur ein Teil davon hängt überhaupt von deinem Verbrauch ab. Genau diese Lücke rechnen wir hier durch – in Euro, nicht in Prozent-Versprechen.
Das Wichtigste in Kürze
- 1 Grad weniger spart laut Umweltbundesamt etwa 6 % Heizenergie (Faustregel)
- Auf der Mieter-Abrechnung wirkt das nur auf den Verbrauchsanteil (50–70 %, § 7 HeizkostenV)
- Real bleiben meist 3 bis gut 4 % deiner Heizkosten übrig
- Bei 800 € Heizkosten sind das je nach Schlüssel 24 bis 34 € pro Grad
- Warmwasser wird separat abgerechnet, Duschen spart auf einer anderen Rechnung
- Unter 16–18 °C steigt laut Umweltbundesamt das Schimmelrisiko deutlich
Woher die 6 % kommen – und was sie nicht sagen
Die Zahl ist keine Internet-Legende. Das Umweltbundesamt nennt sie ausdrücklich eine Faustregel: „Wird die Raumtemperatur im Winter um nur ein Grad Celsius gesenkt, spart dies etwa sechs Prozent Heizenergie" (UBA, Umweltatlas (öffnet in neuem Tab)). Die Verbraucherzentrale schreibt in ihren Tipps zum Heizkostensparen (öffnet in neuem Tab) dasselbe: ein Grad weniger, 6 Prozent weniger Verbrauch.
Wichtig ist das Wort „Verbrauch". Gemeint ist die Wärme, die in deiner Wohnung ankommt. Wie viel es bei dir genau ist, hängt vom Gebäude, der Dämmung und dem Winter ab. Die 6 % sind ein Durchschnittswert, keine Garantie.
Und selbst wenn du exakt 6 % weniger Wärme verbrauchst: Deine Heizkostenabrechnung sinkt deshalb nicht um 6 %. Der Grund steht in der Heizkostenverordnung.
Warum auf deiner Abrechnung nur 3 bis 4 % ankommen
Dein Vermieter verteilt die Heizkosten des Hauses in zwei Töpfen. Nach § 7 Abs. 1 HeizkostenV (öffnet in neuem Tab) werden mindestens 50 und höchstens 70 % nach dem erfassten Wärmeverbrauch verteilt. Der Rest geht nach Wohnfläche – das sind die sogenannten Grundkosten. Welcher Schlüssel bei dir gilt, steht auf der Abrechnung, meist als „70/30" oder „50/50". Mehr dazu erklärt unser Artikel zum Verteilerschlüssel.
Die Grundkosten zahlst du auch dann, wenn du gar nicht heizt. Sie hängen an deinen Quadratmetern, nicht an deinem Thermostat. Deshalb wirkt dein Sparen nur auf den Verbrauchsanteil. Wer 6 % weniger verbraucht, spart 6 % von 70 % – also rund 4,2 % der Heizkosten. Bei 50/50 sind es nur 3 %.
Das durchgängige Rechenbeispiel
Nehmen wir an, auf deiner Abrechnung stehen 800 € für Heizung (ohne Warmwasser). Du senkst die Raumtemperatur um ein Grad und verbrauchst dadurch 6 % weniger. Der Preis je Einheit im Haus bleibt gleich, weil nur du sparst.
| Schlüssel | Verbrauchsanteil | Grundkosten | Ersparnis bei −6 % Verbrauch | Anteil an 800 € |
|---|---|---|---|---|
| 70/30 | 560 € | 240 € | 33,60 € | 4,2 % |
| 60/40 | 480 € | 320 € | 28,80 € | 3,6 % |
| 50/50 | 400 € | 400 € | 24,00 € | 3,0 % |
| Faustregel „6 % auf alles" | – | – | 48,00 € | 6,0 % |
Eigene Beispielrechnung. Annahme: 6 % weniger Verbrauch pro Grad (Faustregel von Umweltbundesamt und Verbraucherzentrale), Preis je Einheit unverändert.
Zwischen der Faustregel und der Wirklichkeit liegen hier 14 bis 24 Euro im Jahr. Das klingt nach wenig. Es erklärt aber, warum viele Mieter nach einem sparsamen Winter enttäuscht auf die Abrechnung schauen – und dann glauben, dass irgendetwas nicht stimmt.
Rechne es mit deinen eigenen Zahlen nach. Du brauchst nur zwei Werte von deiner Abrechnung: die Heizkosten (ohne Warmwasser) und den Verbrauchsanteil.
Spar-Realitätscheck
Was kommt von deiner Ersparnis auf der Abrechnung an?
Anteil nach Verbrauch(steht in deiner Abrechnung)
Wie viel weniger heizt du?
Spart nur du oder das ganze Haus? Der zweite Effekt
Bisher hast du allein gespart. Was passiert, wenn alle im Haus das Thermostat runterdrehen?
Dann sinkt zuerst die Gasrechnung des ganzen Hauses. Das senkt beide Töpfe: den Verbrauchsanteil und die Grundkosten. Deine Grundkosten werden also auch kleiner – was sie nicht tun, wenn nur du sparst.
Gleichzeitig fallen im Haus weniger Verbrauchseinheiten an. Der Preis je Einheit ist nichts anderes als die Verbrauchskosten des Hauses geteilt durch alle Einheiten im Haus. Sinken beide ungefähr gleich stark, bleibt der Preis je Einheit ähnlich. Ganz stimmt das nicht: Posten wie Wartung, Messdienst oder Betriebsstrom sinken kaum mit. Deshalb steigt der Preis je Einheit leicht, wenn das ganze Haus spart.
Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Zahlen: Ein Haus hat 40.000 € Heizkosten, davon 36.000 € für Brennstoff und 4.000 € weitgehend feste Kosten. Alle Mieter sparen 6 % Energie. Der Brennstoff kostet dann 2.160 € weniger, die Heizkosten des Hauses sinken um 5,4 %. Deine 800 € werden zu 756,80 € – du sparst 43,20 € statt 33,60 €, weil jetzt auch deine Grundkosten schrumpfen. Der Preis je Einheit steigt dabei um etwa 0,6 %.
Die Kurzfassung: Sparst nur du, bekommst du nur den Verbrauchsanteil zurück. Spart das Haus mit, kommst du näher an die Faustregel heran. Heizen die Nachbarn dagegen mehr als im Vorjahr, kann ein steigender Preis je Einheit deine Ersparnis sogar auffressen. Wie du so einen Anstieg auseinandernimmst, zeigt unser Artikel Warum sind meine Heizkosten so hoch?.
Warmwasser: eine eigene Rechnung
Das Thermostat regelt nur die Heizung. Dein Warmwasser läuft auf einer separaten Rechnung. Nach § 8 Abs. 1 HeizkostenV (öffnet in neuem Tab) werden die Warmwasserkosten ebenfalls zu 50 bis 70 % nach Verbrauch verteilt, der Rest nach Wohnfläche.
Kürzer duschen spart also nach demselben Prinzip – nur auf der Warmwasser-Zeile, nicht bei der Heizung. Wer beides zusammenrechnet und dann „6 % pro Grad" auf die Gesamtsumme anwendet, überschätzt die Ersparnis doppelt. Wie sich die Warmwasserposition zusammensetzt, erklärt unser Artikel zu Warmwasserkosten in der Abrechnung.
Praxisbeispiel: Jonas erwartet 108 € und spart 76 €
Jonas aus Hannover wohnt in einem Mehrfamilienhaus mit Gaszentralheizung. Auf seiner letzten Abrechnung standen 900 € für Heizung, verteilt nach 70/30. Bisher heizte er Wohnzimmer und Schlafzimmer auf 22 Grad.
Was Jonas vorhatte: Er senkte beide Räume auf 20 Grad. Mit der Faustregel rechnete er: zwei Grad mal 6 % sind 12 %, und 12 % von 900 € sind 108 €. Genau das Geld wollte er für den Winterurlaub einplanen.
Was die Abrechnung daraus macht: Von seinen 900 € sind 630 € Verbrauchskosten und 270 € Grundkosten. Die 270 € bleiben stehen, egal wie warm Jonas es hat. Die 12 % Einsparung wirken nur auf die 630 €.
| Position | Vorher | Nachher (−12 % Verbrauch) |
|---|---|---|
| Verbrauchskosten (70 %) | 630,00 € | 554,40 € |
| Grundkosten (30 %) | 270,00 € | 270,00 € |
| Heizkosten gesamt | 900,00 € | 824,40 € |
Annahmen: Nachbarn heizen wie im Vorjahr, Preis je Einheit und Winter unverändert. „2 × 6 %" ist eine Vereinfachung.
Das Ergebnis: Jonas zahlt 824,40 € statt 900 €. Ersparnis: rund 76 € im Jahr – etwa 32 € weniger, als er erwartet hatte, aber immer noch 8,4 % seiner Heizkosten. Weil er die Rechnung vorher kannte, war er nicht enttäuscht, sondern hat realistisch geplant. Und er weiß jetzt: Wenn seine nächste Abrechnung trotzdem höher ausfällt, liegt es nicht an ihm – dann lohnt ein Blick auf den Preis je Einheit.
Die ideale Raumtemperatur: Was Behörden empfehlen
Wie viel Grad sind eigentlich sinnvoll? Hier gibt es zwei seriöse Empfehlungen, die sich nur beim Schlafzimmer unterscheiden.
| Raum | Umweltbundesamt | Verbraucherzentrale |
|---|---|---|
| Wohnzimmer / Wohnbereich | möglichst nicht mehr als 20 °C | 20 °C |
| Küche | 18 °C | – |
| Schlafzimmer | 17 °C | 18 °C |
| Wenig genutzte Räume | – | 16 °C |
| Nachts oder einige Stunden weg | etwa 18 °C | – |
| Einige Tage weg | 15 °C | – |
Quellen: Umweltbundesamt, Richtiges Heizen (öffnet in neuem Tab); Verbraucherzentrale, Tipps zum Heizkostensparen (öffnet in neuem Tab).
Wie viel Grad im Schlafzimmer? Irgendwo zwischen 17 und 18 °C liegen beide Stellen. Das Umweltbundesamt betont außerdem, dass am Ende deine individuelle Behaglichkeit entscheidet – und die hängt stark davon ab, wie kalt Wände und Fenster sind.
Praktisch hilft dir das Thermostat selbst. Laut Verbraucherzentrale entspricht Stufe 3 etwa 20 °C, zwischen zwei Stufen liegen rund 4 Grad. Jeder kleine Strich dazwischen ist also ungefähr ein Grad. Wer von „knapp über 3" auf „genau 3" dreht, hat das eine Grad bereits umgesetzt. Ob Absenken oder Ausschalten besser ist, wenn du tagsüber weg bist, klärt unser Artikel Heizung ausschalten oder runterdrehen.
Sparen ja, frieren nein: die Schimmelgrenze
Bei allem Sparen gibt es eine Untergrenze. Das Umweltbundesamt warnt in seinen FAQ zur Absenkung der Raumtemperatur (öffnet in neuem Tab): Sinkt die Temperatur in genutzten Wohnungen unter 16 bis 18 °C, steigt das Schimmelrisiko zum Teil massiv. Tagsüber empfiehlt es, nicht unter 19 bis 20 °C zu gehen, nachts sind 18 °C in Ordnung. Die Verbraucherzentrale zieht die Linie bei 16 °C, „da sonst Schimmel droht".
Dazu kommt das Lüften. Je kühler der Raum, desto öfter musst du lüften, weil kühlere Luft weniger Feuchtigkeit aufnimmt. In schlecht gedämmten Wohnungen sollte die Luftfeuchte im Winter meist unter 50 % liegen, so das Umweltbundesamt. Ein einfaches Hygrometer für ein paar Euro zeigt dir das.
Als Mieter musst du nicht frieren, um Geld zu sparen. Der Vermieter muss die Wohnung nach § 535 Abs. 1 BGB (öffnet in neuem Tab) während der Mietzeit in einem zum vertragsgemäßen Gebrauch geeigneten Zustand erhalten – dazu gehört eine funktionierende Heizung. Was gilt, wenn es trotz aufgedrehter Heizung kalt bleibt, steht in unserem Artikel Kalte Wohnung: deine Rechte.
Umgekehrt gehört ausreichendes Heizen und Lüften zu den Dingen, auf die auch Mieter achten sollten. Entsteht Schimmel, wird schnell darüber gestritten, ob das Gebäude oder das Heizverhalten schuld ist. Wie Heizen, Lüften und Schimmel zusammenhängen, liest du im Artikel Schimmel in der Wohnung und Heizkosten. Ein Grad von 21 auf 20 °C bleibt dabei im empfohlenen Bereich. Heikel wird es, wenn Räume dauerhaft deutlich kälter bleiben – vor allem in Altbauten mit kalten Außenwänden.
Wann ein Grad weniger gar nichts bringt
Manchmal senkst du die Temperatur und auf der Abrechnung passiert trotzdem nichts. Drei typische Gründe:
Erstens der Winter. War die Heizperiode kälter als im Vorjahr, frisst der Mehrbedarf dein Sparen auf. Deine Abrechnung vergleicht nicht automatisch mit einem Normalwinter – ein sparsames Jahr kann auf dem Papier also teurer aussehen.
Zweitens der Preis. Steigt der Gaspreis um 15 %, bringen 4 % weniger Heizkosten nur ein kleineres Plus, kein Minus.
Drittens die Technik. Ein Heizkörper voller Luft oder eine falsch eingestellte Anlage heizen ineffizient, egal wo dein Thermostat steht. Dann lohnt zuerst der Blick in die Artikel zum Heizkörper entlüften und zur falsch eingestellten Heizung.
Ob dein Sparen wirklich ankommt, siehst du am klarsten an deinen Verbrauchseinheiten, nicht an der Endsumme. Vergleiche die Einheiten mit dem Vorjahr. Sind sie gesunken, hast du gespart – auch wenn die Summe gestiegen ist. Das gilt, solange die Messgeräte dieselben geblieben sind.
Häufige Fragen zu 1 Grad weniger heizen
Wie viel spare ich mit 1 Grad weniger?
Warum spare ich weniger als die 6 %, die überall stehen?
Welche Raumtemperatur ist ideal?
Wie viel Grad im Schlafzimmer sind sinnvoll?
Wie kalt darf die Wohnung werden, ohne dass Schimmel droht?
Lohnt sich 1 Grad weniger überhaupt, wenn ich nur 30 € spare?
Sparen hilft beim Verbrauch. Den Rest entscheidet deine Abrechnung.
Grundkosten, Preis je Einheit, Flächen und Verteilerschlüssel bestimmen oft mehr als dein Heizverhalten. Ein Experte rechnet deine Abrechnung Position für Position nach – nach Heizkostenverordnung – und zeigt dir, wo die Zahlen auffällig sind. Was du bekommst
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